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Montag, 12. Dezember 2005
1 Jahr danach
Von spinifex, 05:01

Immer wieder aufgeschoben, zweimal schon Anlauf genommen und wieder umgekehrt. Diesmal mußte ich fahren, es gab für mich keine Ausreden mehr - warum ich nicht fuhr!

Für die Strecke, die ich sonst in ca. 2 Stunden fuhr, brauchte ich fast 4 1/2 Stunden. Immer wieder hielt ich an und trank in diversen Raststätten einen Kaffee nach dem anderen, las in Regenbogenblättern und wäre doch am liebsten wieder umgekehrt.

Die Erinnerung ans letzte Jahr fuhr mit, eine Erinnerung bei der mir einge Tage fehlten. Wie oft in all den Jahren bin ich mit Ihr diesen Strecke gefahren, haben Tränen gelacht wenn wir mal wieder über die Verwandtschaft herzogen die wir gerade besucht hatten oder zu der wir fuhren weil wieder eine Familienfeier anstand oder eine Beerdigung. Wir fuhren zu jeder Beerdigung, die ganze Verwandtschaft kam zusammen die wir jahrelang nicht mehr gesehen hatten.

Wir konnten über alles reden, immer war wir für einander da. Brauchte sie mich lies ich alles stehen und liegen und fuhr zu ihr. Telefonierten wir, hörte ich an ihrer Stimme, wie sie sich fühlte. Merkte ich das es ihr nicht gut ging fragte ich was sie heute macht und ob sie Zeit für einen Kaffee hat, könnte ja schonmal das Kaffeewasser aufsetzen. 

Nicht selten fuhr ich spät in der Nacht wieder zurück weil ich am nächsten Tag arbeiten mußte.                                  

Bei ihr konnte ich auch um Peter trauern, sie sah nicht unangenehm berührt weg wenn ich mal heulte! Es kam selten vor das ich heulte denn meist hörte ich ihr zu. Doch sie wußte das ich das alles noch nicht verarbeitet hatte - das ich keine Zeit zum trauern hatte. Sie wußte um meine Zweifel, meine Selbstvorwürfe ob ich an alles gedacht hatte, ob ich richtig handelte, wurde alles getan was machbar war? Diese Zweifel konnte ich bei ihr laut aussprechen, mußte sie nicht mit mir selber ausmachen! 

Im letzten Jahr ging mir oft die Frage durch den Kopf - warum zog sie aus Frankfurt weg und zu mir hoch? Zog sie hier her weil sie wußte ich kümmer mich um alles?           Ob sie weiss was sie mir damit antat? Denn wieder habe ich diese Zweifel ob ich alles richtig machte, nichts übersehen habe, an alles dachte, hätte ich es schon früher sehen müssen?

Ich bin so wütend das sie einfach so ging, alles mir überlies und ich Fragen ihrer Kinder beantworten sollte die ich nicht beantworten konnte und auch oft nicht wollte und auch heute einige Fragen nicht beantworten werde!

Der Weg vom Auto zum Grab nahm kein Ende, der Blumenstrauß in meiner Hand wurde immer schwehrer und ich fand ihn total unpassen, nicht mehr so schön wie noch im Blumenladen. Ich finde diese typischen Grabblumen ätzend und dement-sprechend sah der Blumenstrauß auch aus. Damit hätte ich zu einem Geburtstag gehen können oder mir zu Hause auf den Tisch stellen können. Ihr hätte er gefallen wenn ich ihn "davor" mitgebracht hätte. 

Ich stand an ihrem Grab und hatte das kleine Blumengebinde fast schon in seine Einzelteile zerlegt als ich ihn endlich hinlegte. Dieses Blumenmeer das ich vorfand erschlug mich fast. Immer wieder mußte ich ihren Namen lesen um auch sicher zu sein - es ihr Grab! Mir gingen die seltsamsten Gedanken durch den Kopf als ich das Grab sah! Ich freute mich das es so schön mit Blumen bestückt war und gleichzeitig kam auch Wut in mir hoch. Eine Wut auf Gott und die Welt, ich hätte am liebsten alles runtergerissen und einen wüßten Haufen Erde zurück gelassen.                                    Ein älteres Ehepaar das wohl seine Langeweile auf Friedhöfen auslebte und mich umstreifte als käme ich von einem anderen Stern, ging die Gräberreihen durch und immer wieder auch an mir vorbei, als ahnten sie - wozu ich in diesen Moment fähig gewesen wäre!

Der Rückweg dauerte wieder wie immer, ca. 2 Stunden - ich wollte einfach nur noch nach Hause!       

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